Themen dieser Seite
Problemstellung
Das betrachtete Teilchen wird durch ein radialsymmetrisches Potential
gezwungen,
sich ausschließlich auf Kugeloberflächenbahnen mit dem konstantem Radius
zu bewegen.
Dieses Modell reproduziert die Bewegung eines Elektrons unter der elektrostatischen
Anziehung eines positiv geladenen Kerns.
Da es sich um ein kugelsymmetrisches Problem handelt, ist die Benutzung von
Kugelkoordinaten zweckmäßig (s. Abbildung).
Es gelten dann die Beziehungen
 |
(9.116a) |
wobei
der Radiusvektor ist,
der Winkel zwischen Radiusvektor und
-Achse (Polarwinkel) und
der Winkel zwischen der Projektion des
Radiusvektors auf die
-Ebene und der
-Achse (Azimutalwinkel).
Für den LAPLACE-Operator ergibt sich
 |
(9.116b) |
so daß die zeitunabhängige SCHRÖDINGER-Gleichung dieses raumfreien
starren Rotators lautet:
 |
(9.116c) |
Lösungsansätze
Eine Lösung wird mit dem Ansatz
 |
(9.117a) |
angestrebt, in dem
die nur vom Radius
abhängige radiale Wellenfunktion ist
und
eine nur von den beiden Winkeln abhängige
Wellenfunktion.
Einsetzen von (9.117a) in (9.116c) liefert
| |
|
 |
|
| |
|
 |
(9.117b) |
Division durch
und Multiplikation mit
ergibt
 |
(9.117c) |
Diese Gleichung (9.117c) kann nur erfüllt werden, wenn eine
unabhängige Variation der Radiuskoordinate
auf der linken Seite der Gleichung und
der Winkelkoordinaten
auf der rechten dieselbe
Separationskonstante ergeben, d.h., wenn die Seiten unabhängig voneinander sind und
den gleichen konstanten Wert ergeben.
Aus der partiellen Differentialgleichung ergeben sich dann eine gewöhnliche und eine
partielle Differentialgleichung.
Wird die Separationskonstante praktischerweise gleich
gesetzt, dann erhält
man die nur von
und vom Potential
abhängige sogenannte
Radialgleichung :
 |
(9.117d) |
Der winkelabhängige Anteil wird mit Hilfe des Ansatzes
 |
(9.117e) |
ebenfalls separiert.
Einsetzen von (9.117e) in (9.117c) liefert
 |
(9.117f) |
Bezeichnet man die Separationskonstante zweckmäßigerweise mit
,
dann lautet
die sogenannte Polargleichung
 |
(9.117g) |
und die Azimutalgleichung
 |
(9.117h) |
Beide Gleichungen sind potentialunabhängig, gelten also für jedes zentralsymmetrische
Potential.
An die Lösung (9.117a) sind drei Forderungen zu stellen: Sie soll für
verschwinden, auf der Kugeloberfläche eindeutig sein und sich quadratisch
integrieren lassen.
Lösung der Radialgleichung
Die Radialgleichung (9.117d) enthält neben dem Potential
noch die
Separationskonstante
.
Man schreibt deshalb
und substituiert
 |
(9.118a) |
weil das Quadrat der Funktion
die letztlich gesuchte Aufenthaltswahrscheinlichkeit
des Teilchens in einer Kugelschale zwischen
und
angibt.
Die Substitution führt auf die eindimensionale SCHRÖDINGER-Gleichung
 |
(9.118b) |
Diese enthält das effektive Potential
 |
(9.118c) |
das aus zwei Anteilen besteht.
Die Rotationsenergie
 |
(9.118d) |
wird Zentrifugalpotential genannt.
Die physikalische Bedeutung von
als Bahndrehimpuls-Quantenzahl ergibt sich aus
der Analogiebetrachtung zur klassischen Rotationsenergie
 |
(9.118e) |
eines rotierenden Teilchens mit dem Trägheitsmoment
und dem
Bahndrehimpuls
:
 |
(9.118f) |
Die Polargleichung (9.117g), die beide Separationskonstanten
und
enthält, ist eine LEGENDREsche Differentialgleichung.
Ihre Lösung wird mit
bezeichnet und kann durch einen
Potenzreihenansatz ermittelt werden.
Endliche, eindeutige und stetige Lösungen ergeben sich nur für
.
Daher gilt für
und
:
 |
(9.119a) |
Somit kann
insgesamt die
Werte
 |
(9.119b) |
durchlaufen.
Für
ergeben sich die zugeordneten LEGENDREschen Polynome,
die wie folgt definiert sind:
 |
(9.119c) |
Als Spezialfall (
)erhält man die
LEGENDREschen Polynome 1. Art
(9.57b) (s. auch Tabelle LEGENDREsche Polynome 1. Art).
Die Normierung führt auf
 |
(9.119d) |
Lösung der Azimutalgleichung
Da die Teilchenbewegung auf der Kugeloberfläche auch im Falle der physikalischen
Auszeichnung einer Raumrichtung, z.B. durch ein Magnetfeld, unabhängig vom
Azimutalwinkel ist, spezifiziert man die allgemeine Lösung
durch die
Festlegung
 |
(9.120a) |
für die
unabhängig von
ist.
Aus der Forderung nach Eindeutigkeit
 |
(9.120b) |
folgt, daß
nur die Werte
annehmen darf.
Aus der Normierung
 |
(9.120c) |
folgt
 |
(9.120d) |
Die Quantenzahl
wird magnetische Quantenzahl genannt.
Gesamtlösung für die Winkelabhängigkeit
In Übereinstimmung mit (9.117e) sind die Lösungen für die
Polar- und die Azimutalgleichungen miteinander zu multiplizieren:
 |
(9.121a) |
Die Funktionen
sind die sogenannten
Kugelflächenfunktionen .
Wenn der Radiusvektor
am Koordinatenursprung gespiegelt wird
,
geht
in
über und
in
,
so daß
sich das Vorzeichen von
ändern kann:
 |
(9.121b) |
Daraus ergibt sich die Parität der betrachteten Wellenfunktion zu:
 |
(9.122a) |
Parität:
Die Eigenschaft Parität dient der Charakterisierung des Verhaltens der Wellenfunktion
bei Rauminversion
.
Diese Operation wird mit dem Inversions- oder Paritätsoperator
durchgeführt:
.
Bezeichnet man den Eigenwert des Operators mit
,
dann muß eine zweimalige
Anwendung von
,
d.h.
auf
führen, also auf die
ursprüngliche Wellenfunktion.
Daraus folgt:
 |
(9.122b) |
Man spricht von gerader Wellenfunktion , wenn sie bei Rauminversion ihr
Vorzeichen nicht ändert, von ungerader Wellenfunktion , wenn sie es
ändert.
Die Parität setzt sich aus zwei Faktoren zusammen, der inneren Parität
und der äußeren Parität .
Letztere hängt vom Drehimpuls des beschriebenen Teilchens oder Systems gemäß
(9.122a) ab.