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Linearer harmonischer Oszillator

Problemstellung

Harmonische Schwingungen entstehen, wenn die rücktreibende Kraft im Oszillator dem HOOKEschen Gesetz genügt. Für Schwingungsfrequenz, Schwingungskreisfrequenz und potentielle Energie ergeben sich:
(9.123a)

(9.123b)

(9.123c)

Durch Einsetzen in (9.112a) erhält die SCHRÖDINGER-Gleichung die Form:
(9.124a)

Mit Hilfe der Substitutionen
(9.124b)

(9.124c)

wobei ein Parameter und nicht die Wellenlänge ist, kann (9.124a) in die einfachere Form der WEBERschen Differentialgleichung
(9.124d)

überführt werden.

Lösungsansatz und Lösungsgang

Für die WEBERsche Differentialgleichung erhält man mit Hilfe des Ansatzes
(9.125a)

eine Lösung. Differentiation führt auf
(9.125b)

Einsetzen in die SCHRÖDINGER-Gleichung (9.124d) liefert
(9.125c)

Eine Lösung wird über den Reihenansatz
(9.126a)

bestimmt: Einsetzen von (9.126a) in (9.125c) ergibt
(9.126b)

Durch Vergleich der Koeffizienten von erhält man die Rekursionsformel
(9.126c)

Die Koeffizienten für gerade Potenzen von werden auf zurückgeführt, die Koeffizienten für ungerade Potenzen auf . Damit sind und frei wählbar.


Physikalische Lösungen

Gesucht ist die Aufenthaltswahrscheinlichkeit des betrachteten Teilchens in den verschiedenen Zuständen. Diese wird mit Hilfe einer physikalisch sinnvollen, d.h. normierbaren, für große Werte von gegen Null gehenden Eigenfunktion und quadratisch integrierbaren Wellenfunktion beschrieben.
Die Exponentialfunktion im Ansatz (9.125a) sorgt dafür, daß die Lösung für gegen Null strebt, wenn die Funktion ein Polynom ist. Daher müssen die Koeffizienten in (9.126a), beginnend von einem bestimmten an, für alle verschwinden: . Mit lautet die Rekursionsformel (9.126c) jetzt
(9.127a)

Für kann sie nur erfüllt werden, wenn
(9.127b)

gesetzt wird. Somit verschwinden durch die angegebene Wahl von die Koeffizienten . Damit auch die Koeffizienten verschwinden, muß sein.
Für die spezielle Wahl erhält man die HERMITEschen Polynome der 2. Definitionsgleichung. Die ersten sechs lauten:
 
(9.127c)
 

Die Lösung für die Schwingungsquantenzahl ergibt sich zu
(9.128a)

wobei der Normierungsfaktor ist. Man erhält ihn aus der Normierungsbedingung zu
(9.128b)

Für die Eigenwerte der Schwingungsenergie ergibt sich als Quantisierungsbedingung aus der Bedingung für den Abbruch der Reihe mit (9.124c)
(9.128c)

Das Spektrum der Energiezustände ist äquidistant. Der Summand in der Klammer bedeutet, daß der quantenmechanische Oszillator im Unterschied zum klassischen auch im tiefsten energetischen Zustand mit Energie besitzt, die Nullpunktsschwingungsenergie .
Die folgende Abbildung zeigt eine graphische Darstellung des äquidistanten Spektrums der Energiezustände, die zugehörigen Wellenfunktionen bis sowie die Funktion der potentiellen Energie (9.123c).



Die Punkte auf der Parabel der potentiellen Energie bezeichnen die Umkehrpunkte des klassischen Oszillators, die als Amplitude aus der Energie berechnet werden. Die quantenmechanische Wahrscheinlichkeit, ein Teilchen im Intervall zu finden, ist durch gegeben. Sie ist auch außerhalb dieser Punkte von Null verschieden. So liefert z.B. , also , gemäß , Maxima der Aufenthaltswahrscheinlichkeit bei
(9.128d)

Für den entsprechenden klassischen Oszillator ergibt sich
(9.128e)

Die quantenmechanische Verteilungsdichte nähert sich für große Werte der Quantenzahl in ihrem Mittelwert der klassischen.