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Vom Torus zum Chaos
Hopf-Landau-Modell der Turbulenz
Die Frage des Übergangs von einem regulären laminaren Verhalten
zu einem irregulären turbulenten Verhalten ist besonders für
Systeme mit verteilten Parametern, die z.B. durch partielle Differentialgleichungen
beschrieben werden, von Interesse.
Aus dieser Sicht läßt sich Chaos als zeitlich irreguläres, aber räumlich
geordnetes Verhalten interpretieren.
Turbulenz dagegen ist ein Systemverhalten, das sowohl zeitlich als auch räumlich
irregulär ist.
Das HOPF- LANDAU-Modell erklärt die Entstehung der Turbulenz über
eine unendliche Kaskade von HOPF-Bifurkationen:
Bei
entsteht aus einer Ruhelage ein Grenzzyklus, der bei
instabil wird und zu einem Torus
führt.
Bei der
-ten Bifurkation entsteht ein
-dimensionaler Torus, der durch nicht
geschlossene Orbits aufgewickelt wird.
Das HOPF- LANDAU-Modell führt i. allg. nicht zu einem Attraktor, der durch
sensitive Abhängigkeit von den Anfangsbedingungen und Durchmischung gekennzeichnet ist.
Im System (17.53) sei
und
.
Bei Änderung des Parameters
sei die Bifurkationssequenz Ruhelage
Periodischer Orbit
Torus
Torus
über drei aufeinander folgende
HOPF-Bifurkationen realisiert.
Der auf
gegebene quasiperiodische Fluß sei strukturell instabil.
Dann können schon bestimmte kleine Störungen von (17.53)
zum Zerfall von
und zur Bildung eines seltsamen Attraktors führen, der
strukturell stabil ist.
Gegeben sei das hinreichend glatte System (17.53) bei
und
.
Beim Parameterwert
habe System (17.53) einen
anziehenden glatten Torus
der aufgespannt wird durch einen stabilen
periodischen Orbit
,
einen sattelartigen periodischen Orbit
und
dessen instabile Mannigfaltigkeit
( Resonanz-Torus ).
Die invarianten Mannigfaltigkeiten der Ruhelagen der
POINCARÉ-Abbildung bezüglich einer Fläche, die
transversal zur Längsrichtung den Torus schneidet, sind in der folgenden Abbildung zu
sehen.
Der Multiplikator
von
,
der dem Einheitskreis am nächsten liegt, sei
reell und einfach.
Es sei weiter
eine beliebige stetige
Kurve im Parameterraum, für die
gilt, und für die
das System (17.53) bei
keinen
invarianten Resonanz-Torus besitzt.
Dann gelten folgende Aussagen:
a) Es existiert ein Wert
,
bei dem
seine Glattheit verliert .
Dabei wird entweder der Multiplikator
komplex, oder die instabile
Mannigfaltigkeit
verliert ihre Glattheit nahe
.
b) Es existiert ein weiterer Parameterwert
,
so daß
das System (17.53) für
keinen resonanten Torus besitzt.
Der Torus zerfällt dabei nach einem der folgenden Szenarien:
) Der periodische Orbit
verliert seine Stabilität bei
.
Es kommt zu einer lokalen Bifurkation wie der Periodenverdopplung oder der Abspaltung
eines Torus.
) Die periodischen Orbits
und
fallen bei
zusammen (Sattelknoten-Bifurkation) und heben
sich dabei auf.
) Die stabilen und instabilen Mannigfaltigkeiten von
schneiden
sich bei
nicht transversal
(s. Bifurkationsdiagramm in der folgenden Abbildung).
Die Punkte auf der schnabelförmigen Kurve
entsprechen dem Verschmelzen von
und
(Sattelknoten-Bifurkation).
Die Schnabelspitze
liegt auf einer Kurve
,
die der Abspaltung eines Torus
entspricht.
Auf der Kurve
liegen die Parameterpunkte, bei denen ein Glattheitsverlust eintritt,
während die Punkte auf
die Auflösung eines
-Torus charakterisieren.
Auf
liegen die Parameterpunkte, für die sich stabile und instabile
Mannigfaltigkeiten von
nicht transversal schneiden.
Sei
ein beliebiger Punkt in der Schnabelspitze, so daß bei diesem Parameterwert
ein Resonanz-Torus
vorliegt.
Der Übergang von
nach
entspricht dem Fall
des Satzes.
Wird dabei auf
der Multiplikator
zu
,
so findet eine
Periodenverdopplung statt.
Eine sich anschließende Kaskade von weiteren Periodenverdopplungen kann zum Entstehen
eines seltsamen Attraktors führen.
Trifft beim Überqueren von
ein Paar konjugiert komplexer Multiplikatoren
auf den Einheitskreis, dann kann es zur Abspaltung eines weiteren Torus
kommen, für den der Satz von AFRAIMOVICH und SHILNIKOV erneut anwendbar
ist.
Der Übergang von
nach
repräsentiert den Fall
des Satzes:
Der Torus verliert die Glattheit, und beim Überqueren von
findet eine
Sattelknoten-Bifurkation statt.
Der Torus zerfällt, und ein Übergang zum Chaos über Intermittenz kann stattfinden.
Der Übergang von
nach
schließlich entspricht Fall
:
Nach dem Verlust der Glattheit bildet sich beim Überqueren von
eine nicht robuste
homokline Kurve.
Der stabile Zyklus
bleibt, und es entsteht eine zunächst nicht anziehende
hyperbolische Menge.
Wenn
verschwindet, kann aus dieser Menge ein seltsamer Attraktor entstehen.