Bei manchen Variationsaufgaben ist es zweckmäßig, die Extremale nicht in der
expliziten Form
anzugeben, sondern von deren Parameterdarstellung
(10.38)
auszugehen, wobei
und
die den Punkten
und
entsprechenden
Parameterwerte sein sollen.
Die einfache Variationsaufgabe lautet dann
(10.39a)
mit den Randbedingungen
(10.39b)
Mit
und
werden, wie bei der Parameterdarstellung üblich, die Ableitungen
von
und
nach dem Parameter
bezeichnet.
Das Variationsproblem (10.39a) ist nur dann sinnvoll, wenn der Wert des
Integrals von der Parameterdarstellung der Extremale unabhängig ist.
Es gilt: Damit das Integral in (10.39a) von der Parameterdarstellung
der Kurve, die die Punkte
und
verbindet, unabhängig ist, muß
eine
positiv homogene Funktion sein, d.h., es muß
(10.40)
gelten.
Da die Variationsaufgabe (10.39a) als Spezialfall von (10.34)
aufgefaßt werden kann, lauten die zugehörigen EULERschen
Differentialgleichungen
(10.41)
Diese sind nicht unabhängig voneinander, sondern äquivalent der sogenannten
WEIERSTRASSschen Form der EULERschen Differentialgleichung:
(10.42a)
mit
(10.42b)
Ausgehend von der Berechnung des Krümmungskreisradius
einer in Parameterdarstellung
gegebenen Kurve, erfolgt die Berechnung des
Krümmungskreisradius der Extremalen unter Berücksichtigung von (10.42a)
gemäß
Diese Variationsaufgabe mit Nebenbedingung geht gemäß (10.26) mit
(10.43c)
in eine Variationsaufgabe ohne Nebenbedingung über.
Man sieht, das
die Bedingung (10.40) erfüllt, also eine positiv homogene
Funktion vom Grade 1 ist.
Weiterhin gilt
(10.43d)
so daß man aus (10.42c) für den Krümmungskreisradius
erhält.
Da
konstant ist, sind die Extremalen Kreise.