Mit der kombinierten Methode von KASISKI und FRIEDMAN ist es möglich,
VIGENERE-Chiffren zu brechen.
Dabei wird die Tatsache ausgenutzt, daß bei diesem Chiffrierverfahren das
Schlüsselwort periodisch verwendet wird.
Es treten also Wiederholungen von Teilfolgen im Schlüsseltext auf, wenn gleiche
Klartextfolgen mit gleichen Schlüsselfolgen verschlüsselt worden sind.
Der Abstand solcher übereinstimmender Teilfolgen mit der Länge
im
Schlüsseltext ist ein Vielfaches der Schlüssellänge.
Gibt es mehrere sich wiederholende Schlüsseltextfolgen, dann muß die
Schlüssellänge den größten gemeinsamen Teiler der Abstände teilen.
Diese Überlegung wird KASISKI-Test genannt.
Man muß aber die Möglichkeit in Betracht ziehen, daß solche Übereinstimmungen
auch durch Zufall enstanden sein könnten und damit das Ergebnis verfälschen würden.
Während der KASISKI-Test die Schlüsselwortlänge nur bis auf Vielfache und
Teiler liefert, gibt der Friedman-Test die Größenordnung der
Schlüsselwortlänge an.
Für die Schlüsselwortlänge
eines VIGENERE-verschlüsselten Klartextes
in deutscher Sprache mit einem Schlüsseltext der Länge
(Zeichenzahl) gilt
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(5.289a) |
Dabei ist
der Koinzidenzindex des Schlüsseltextes, der sich wie folgt aus den
Anzahlen
der Buchstaben
des Schlüsseltextes
berechnen läßt:
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(5.289b) |
Zur Ermittlung des Schlüsselwortes schreibt man den Schlüsseltext der Länge
in
Spalten.
Es genügt nun, spaltenweise das Äquivalent der Buchstaben E zu finden, da die Spalten
bei der VIGENERE-Chiffre durch eine Verschiebechiffre entstanden sind.
Ist z.B. V der häufigste Buchstabe in einer Spalte, dann findet man im
VIGENERE-Tableau
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(5.289c) |
den Buchstaben R des Schlüsselwortes.
Benutzt eine VIGENERE-Chiffre einen sehr langen Schlüssel (z.B. von der Länge
des Klartextes), dann führen die hier beschriebenen Methoden nicht zum Ziel.
Man kann aber erkennen, ob die verwendete Chiffre monoalphabetisch, polyalphabetisch mit
kleiner Periode oder polyalphabetisch mit großer Periode ist.